Probe in Corona-Zeiten

Klänge aus der Distanz

Disziplin braucht es immer beim Chorsingen. Jetzt aber noch etwas mehr. In drei Reihen stehen die gut 20 Sängerinnen und Sänger des Gemischten Chors Suhr mit Abständen von eineinhalb Metern. Kann man so singen?

Wir haben es ausprobiert. Und es geht! Schon im Juni haben wir die Proben wieder aufgenommen. Damals noch in drei Gruppen. Die beiden Frauengruppen hatten den Abend unter sich geteilt, die Männer kamen in der Mitte des Abends zuerst bei der ersten Gruppe dazu und machten nach der Pause mit der zweiten gleich weiter. Ein erster Schritt, um das Chorleben nach dem erzwungenen Unterbruch auferstehen zu lassen.

Um wieder im ganzen Chor singen zu können, brauchten wir einen grösseren Raum. Nicht der Chor, aber die Abstände waren das Problem! Unser Suchen und Anfragen führten nicht zum Erfolg. Die Lösung des Problems lag aber eigentlich direkt vor uns: die Öffnung der Schiebetüren der Aula gab Weite und Abstand genug. Hauswart Franz Hirt zeigte sich unkompliziert: Das Öffnen der Schiebetüren vor der Probe liegt in der Verantwortung eines Chormitgliedes, das Schliessen übernimmt der Hauswart am folgenden Morgen.

Seit September achten wir also auf Klänge aus der Distanz. Als Sängerin oder Sänger fühlt man sich zuerst etwas allein gelassen. Erhöhte Konzentration auf die eigene Stimme ist gefragt. Und natürlich höhere Aufmerksamkeit auf die anderen Stimmen in Distanz. Auch wenn die Fülle und Dichte des Chorklanges etwas leidet, die Intonation tut es nicht. So jedenfalls ermutigt uns unsere Dirigentin Christina Otto , die auch durch eine kluge Auswahl der Lieder auf die neue Situation Rücksicht nimmt.

Der Spass am Singen ist – bei aller Vorsicht – wieder zurück: die Klänge bleiben nicht einsam und auf Distanz, sondern finden in einer neuen Qualität zusammen und die Sängerinnen und Sänger auch. Die gewohnte Normalität ist das nicht, aber als Choralltag auf Zeit hoch willkommen. (hki)